
WATCH DEMOCRACY: Nürnberg
25. November // Mi. // 19:00 // Kinosaal // Kino
In Kooperation mit der Neuen Richter*innenvereinigung
James Vanderbilt. USA 2025. 148 Min. Mit Russell Crowe, Rami Malek, Michael Shannon.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird Reichsmarschall Hermann Göring verhaftet. Aufgrund der Größe des Verbrechens des Nazi-Regimes sollen die inhaftierten Parteigrößen aber nicht einfach exekutiert werden. Richter Robert Jackson setzt vielmehr alle Hebel in Bewegung, ein internationales Tribunal zu etablieren, das klarstellen wird, dass Staatenlenker für Verbrechen belangt werden können, für die es bis dahin keinen Tatbestand gab. Der Psychologe Douglas Kelley erhält den Befehl, die inhaftierten Nazis psychologisch zu evaluieren. Er entwickelt dabei eine besondere Beziehung zu Göring, einem Mann, den er als Narzissten einschätzt, der aber auch eine immense Menge Charme besitzt – bis der Moment kommt, da Kelley hinter die Fassade blickt und wirklich versteht, was das Böse eigentlich ist.
Die Besetzung von Russell Crowe als Göring ist exzellent. Er füllt die Rolle mit Gravitas aus, vor allem aber verleiht er dem Mann Charme, so dass man die Sympathie, die Kelley für ihn empfindet, mehr als nur verstehen kann – und das, obwohl man anders als Kelley sehr wohl um die Schuld des zweiten Mannes im Dritten Reich weiß. Aber umso wirkungsvoller ist, als Kelley erkennt, dass Göring mit ihm gespielt hat. Es ist die Szene, als der Welt erstmals die durch die Befreier gemachten Aufnahmen aus den Konzentrationslagern gezeigt werden. In diesem Moment erkennt Kelley, dass Göring ihn angelogen hat, dass es ein System war, von dem der Reichsmarschall nicht nichts wissen konnte. Das gipfelt in einer Konfrontation in Görings Zelle, die schauspielerisch zum Besten gehört, was man dieses Jahr im Kino sehen kann.
Der in Ungarn gedrehte Film ist eine historisch sehr akkurate Darstellung. Ein wirkmächtiger Film, dessen Aussage in einer Zeit, in der das Völkerrecht mit Füßen getreten wird, wichtiger denn je ist. Beide sind, jeweils auf ihre Art, eine Warnung der Vergangenheit an die Gegenwart.
Referentin: Prof. Dr. Gabriele Lingelbach, Professorin für Geschichte der Neuzeit
Thema: „Täter jenseits der Führungsebene“
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