
Etwas ganz besonderes
15. Juli // Mi. // 17:45 // Kinosaal // Kino
Eva Trobisch. D 2026. 116 Min. Mit Frida Hornemann, Eva Löbau, Max Riemelt, Thomas Schubert, Gina Henkel.
Greiz, eine Kleinstadt im Süden Thüringens. Nach Bayern, in den Westen, sind es nur ein paar Kilometer, und doch ist der Ort noch stark geprägt vom Erbe der DDR. Die Menschen, die hier leben, haben eine andere Vergangenheit als die Menschen aus dem Westen – auch und gerade, wenn sich in den letzten 30 Jahren vieles verändert und vermischt hat. Matze hat lange im Westen gearbeitet, nun versucht er, sich in seiner Heimat etwas aufzubauen, lebt im Gasthof Waldblick, den seine Eltern Friedrich und Christel seit einem Vierteljahrhundert betreiben. Einen schönen Blick über den Thüringer Wald hat man von hier oben tatsächlich, nur die Gäste werden immer rarer. Von seiner Frau Rieke hat er sich getrennt, aber so recht kommen die beiden nicht voneinander los – auch wenn Rieke von ihrem neuen Partner, dem Schulleiter Arthur, schwanger ist, schläft sie gelegentlich noch mit Matze.
Die Handlung um diese Familie im Umbruch setzt sich in Gang, als die 17jährige Tochter Lea bei einer dieser TV-Castingshows in die zweite Runde kommt und nun ein Fernsehteam auftaucht, das sie in ihrem Alltag „überraschen“ und ein paar Einspieler produzieren soll. „Wer bist Du, und was macht Dich aus?“ fragt sie der ziemlich unsympathische Redakteur. Aber was im Zusammenhang mit der dämlichen TV-Show nicht mehr als eine Floskel-Frage ist, auf die ohnehin nur eine Floskelantwort erwartet wird, trifft in dieser Familie einen wunden Kern: Wer sind wir eigentlich, was macht uns aus?
In ihrem dritten Spielfilm entfaltet Eva Trobisch ein episodisches Familiendrama, in dem manche der komplizierten Geschichten und Verzweigungen nur angedeutet werden – und trotzdem verstehen wir die Gemengelage unmittelbar. Betont zurückhaltend inszeniert Trobisch diese Geschichte, bleibt mit der Handkamera zwar meist nah an den Darstellern dran, jedoch ohne ihnen wirklich zu nahe kommen zu wollen. Und auch die Schauspieler agieren zurückhaltend, größere Gefühlsausbrüche bleiben rar, Dinge passieren, das Leben nimmt seinen Lauf. Was in den Zwischentönen passiert, hat dabei größere Substanz, als das, was an der Oberfläche zu sehen oder zumindest zu ahnen ist. Ein Film voller leiser Töne, genau beobachtet, der sich gut einfügt in die Reihe deutscher Filme, die sich mit den emotionalen Folgen und Konsequenzen der deutschen Einheit auseinandersetzen.
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