
Das geträumte Abenteuer
30. September // Mi. // 20:00 // Kinosaal // Kino
Valeska Grisebach. BUL/D/F/A 2026. 164 Min. Mit Yana Radeva, Syuleyman Alilov Letifov, Stoicho Kostadinov, Nikolay Shekerdjiev, Denislava Yordanova.
Die Archäologin Veska ist für ein Ausgrabungsprojekt in ihre Heimatstadt Svilengrad zurückgekehrt, in die Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei. Überraschend trifft sie auf Said, einen alten Bekannten aus den Rhodopen, den undurchsichtige Geschäfte nach Svilengrad geführt haben. Saids Auto ist gestohlen worden, und Veska lädt ihn ein, den Tag mit ihr auf der Ausgrabungsstätte zu verbringen. Es ist ein glücklicher Tag voller Vertrautheit, ein Tag wie ein Versprechen. Am nächsten Morgen ist Said verschwunden. Veska folgt den Spuren Saids und dringt dabei immer tiefer in die verborgenen Schichten und Verhältnisse der Stadt und ihrer Menschen vor – Geschichten aus der Zeit des großen Umbruchs in den 90er Jahren, von Freiheit und geplatzten Träumen, Gewalt und schnellem Geld. Was hat Said mit Iliya zu tun, dem mächtigen Mann im Hintergrund, bei dem alle Fäden zusammenzulaufen scheinen? Veska ist gezwungen, sich ihren eigenen Erinnerungen zu stellen. Unterstützt von ihren Freundinnen und Freunden aus Svilengrad, beginnt sie, ihre eigene Geschichte zu schreiben.
Valeska Grisebach, geboren in Bremen, ausgebildet in Berlin, München und Wien, wird sowohl der Berliner Schule als auch dem Neuen Österreichischen Film zugeordnet; ihre Filme zeichnen sich entsprechend durch eine unaufgeregte, sachliche Bildsprache und einen sanften Erzählrhythmus aus – was durchaus nicht bedeutet, dass ihre Geschichten ereignisarm und die Konflikte niedrigschwellig sind. Das Gegenteil ist der Fall, und ihr aktueller Film, das knapp dreistündige Krimidrama aus Bulgarien, ist ein perfektes Beispiel dafür. Das Geheimnis liegt in der Langsamkeit: Schon in der Ausgangssituation ist alles angelegt, geht es doch um Ausgrabungen und das Zutage-Fördern des Vergessenen. Alsbald verschiebt sich der Gegenstand: von den archäologischen Artefakten, nach denen Veska forscht, zu den Verstrickungen Saids bis hin zu ihrer eigenen Vergangenheit. So ist Das geträumte Abenteuer ein spannendes Kino-Abenteuer mit eigener künstlerischer Handschrift – und überdies eines der vielen, vielen Beispiele dafür, wie stark Frauen mittlerweile an zentralen Postionen im Filmschaffen angekommen sind.
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