
Stanley-Kubrick-Retrospektive: BARRY LYNDON
29. Januar // Do. // 19:00 // Kinosaal // Kino
Wiederholungstermin wegen der großen Nachfrage.
Stanley Kubrick. GB/USA 1975. 185 Min. DCP. OmU. Mit Ryan O‘Neal, Marisa Berenson, Hardy Krüger, Leonard Rossiter, Patrick Magee.
Irland um 1760. Redmond Barry, Sprössling eines verarmten Landadel-Geschlechtes, verliebt sich in seine Cousine Nora Brady, die sich mit zeittypischer Koketterie auf seine Avancen einlässt; ihre Brüder hingegen halten eine Verbindung Noras mit dem eitlen Soldaten Captain Quin für vorteilhafter und sind entsprechend ungehalten, als Redmond seinen Nebenbuhler vor aller Augen demütigt. Das in solchen Situationen unausweichliche Duell nimmt einen unerwarteten Ausgang, infolge dessen Redmond das Land verlassen muss. So beginnt seine abenteuerliche Reise quer über den europäischen Kontinent: Man raubt ihn aus, er landet auf den Schlachtfeldern des Siebenjährigen Krieges, wo er mal unter dieser, mal unter jener Fahne kämpft, er gelangt in die Dienste eines beruflichen Glücksspielers und Trickbetrügers und findet schließlich in Lady Lyndon, einer vermögenden Witwe, die sich seiner zärtlichen Werbungen nicht erwehren kann, eine traurig-duldsame Gattin. Nur ein entsprechender Adelstitel fehlt ihm noch zu seinem Glück – und Barry setzt alle Hebel in Bewegung, um diesen zu erlangen…
Kubricks Entscheidung, den Erstlingsroman des britischen Autors William Makepeace Thackeray (1811–1863) zu verfilmen, fiel in eine Phase, in der sich sein Plan, einen großen Napoléon-Film zu drehen, aus verschiedenen Gründen zerschlug. Mit Thackerays Die Memoiren des Barry Lyndon, Esq., aufgezeichnet von ihm selbst (1844) gelangte ihm ein Stoff in die Hände, der ihm in historischer Hinsicht ein vergleichbares Setting bot. Darüberhinaus fand er hier eine Geschichte, die mit ihren moralischen Widersprüchen und der im großen Erzählbogen unheilvollen Entwicklung durchaus an seine vorangehenden Filme anknüpfen konnte.
Was die filmische Darstellung der Lebenswirklichkeit im Europa des 18. Jahrhunderts betrifft, definiert Barry Lyndon bis heute die Referenzlinie. Die Dreharbeiten fanden ausschließlich an Originalschauplätzen in England, Irland und in beiden deutschen Staaten statt – für die Einrichtung der Motive erhielt der Production Designer Ken Adam, dessen Spezialität eigentlich die exzentrischen James-Bond-Bauten waren, einen Oscar. Ebenso ist die Lichtsetzung des Kameramanns John Alcott immer wieder hervorgehoben worden: Durch den Einsatz eines besonders lichtstarken Objektivs und Doppeldocht-Kerzen gelang es ihm, die nächtlichen Innenraum-Sequenzen weitgehend ohne Einsatz von Scheinwerfern zu filmen. Viele Einstellungen finden dieserart Vorbilder in zeitgenössischen Gemälden – manchmal scheint es, als sei Barry Lyndon selbst ein sanft bewegtes Historiengemälde.
Die weiteren Termine in der Stanley-Kubrick-Retrospektive
19. Jan 2026: The Shining
26. Jan 2026: Full Metal Jacket
09. Feb 2026: Eyes Wide Shut
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