
Rose
01. Mai // Fr. // 18:00 // Kinosaal // Kino
Markus Schleinzer. D/Ö 2026. 94 Min. Mit Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Robert Gwisdek, Maria Dragus, Annalisa Hohl, Augustino Renken, Maurice Leonhard, Anni Molke, Emma Bahlmann, Bastian Trost, Sven-Eric Bechtolf, Rainer Egger, Anne Klein, Marius Huth
„Die wahrhaftige Beschreibung einer Land- und Leutebetrügerin, die, obwohl als eine Weibs-Person geboren dem zum Trotz unter falschem Nam als Manns-Bild sich betragen, und viel üble Schandtat hat getrieben.“ – Schon auf dem Filmplakat setzt der Film die besondere Tonart, mit der er uns ins 17. Jahrhundert versetzt: Der Dreißigjährige Krieg ist aus, die Äcker schwelen noch, Gebeine der Toten zeigen das Gesicht der düsteren Epoche. Ein versprengter Soldat gelangt in ein abgelegenes Tal, schweigsam, schmal, das Gesicht durch eine Narbe entstellt. Der Fremde behauptet, Erbe eines seit langem verlassenen Gutshofs zu sein, und kann ein Dokument vorlegen, das seinen Anspruch bestätigt. Das will nicht jedem in der naheliegenden Gemeinde gefallen, doch der Fremde ist tüchtig, furchtlos bei der Jagd und hat den Hof bald wieder auf Vordermann gebracht. Als er dem Großbauern einen Bach und etwas Land abkaufen will, schlägt dieser ihm einen Handel vor: Der Soldat bekommt, was er will, wenn er eine von des Großbauern Töchtern zur Frau nimmt. Was allerdings niemand in der Gemeinde ahnt: Der Soldat ist in Wahrheit eine Frau, die sich, um in den brutalen Wirren des Krieges überleben zu können, als Mann ausgab, und dieses Geheimnis erfolgreich bis zur Hochzeitsnacht hüten konnte…
Markus Schleinzer erzählt seine Geschichte auf den Spuren historischer Chroniken und Berichte, ohne dabei einem konkreten Schicksal zu folgen; in seinen Recherchen ermittelte er Fälle von Hunderten von Frauen, die in verschiedenen Jahrhunderten „in die Hose gestiegen waren, um sich öffentlich als Mann zu geben. Gründe dafür waren mannigfaltig: Erleichterter Zugang zur Arbeit, Flucht, Gaunereien, die Hoffnung, Vergewaltigung zu entgehen, die Hoffnung, dadurch selbstbestimmter zu leben, die Hoffnung, dadurch Zugang zu Bildung zu erlangen, lesbisches Begehren, Transsexualität, Patriotismus, Exotismus… ‚In der Hose steckt mehr Freiheit‘, sagt Rose gegen Ende des Films zum Richter. Genau das verbindet alle Frauenschicksale.“ Gerade darin liegt wohl auch der Aspekt der Handlung, der über die beschriebene Epoche hinausweist.
Ohne Zweifel zählt ROSE zu den herausragenden Kino-Ereignissen des Jahres: ein kantiges, in der Wahl seiner gestalterischen Mittel kompromissloses Filmkunstwerk, deren einzelne Gewerke sich untereinander in nichts nachstehen: Sandra Hüller und Caro Braun agieren in einem famosen Ensemble, Gerald Kerkletz gießt die wunderschönen Landschafts- und Dorfansichten in weiche, tiefkonturierte Schwarz-Weiß-Bilder, und Markus Schleinzer vereint die künstlerischen Zutaten in seiner präzisen Rgie zu einem stillen, unaufgeregten und gleichwohl hochemotionalen Gemälde aus dem 17. Jahrhundert.
Berührend. Nachdenklich stimmend. Meisterhaft.
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