
Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean
17. April // Fr. // 20:00 // Kinosaal // Kino
Éric Besnard. F 2025. 90 Min. Mit Grégory Gadebois, Bernard Campan, Alexandra Lamy, Isabelle Carré.
Im vergangenen Jahr begeisterte Éric Besnard das Kinopublikum mit seinem historischen Dorfschul-Drama Louise und die Schule der Freiheit – einer im ausgehenden 19. Jahrhundert angesiedelten Geschichte über eine Lehrerin, die in der Provinz großes leistet. In seinem aktuellen Film bleibt Besnard im historischen Setting, genauer: im nachnapoleonischen Frankreich. Nach Motiven aus Victor Hugos Die Elenden entfaltet er die Geschichte des Jean Valjean, einer der Hauptfiguren des monumentalen Romans.
Zu Beginn des Films wird Jean Valjean nach neunzehn Jahren harter Arbeit, Gewalt und Leid aus der Zwangsarbeit entlassen. Erfüllt von Wut und einem tiefen Gefühl der Ungerechtigkeit, ist er zu einem gefährlichen Mann geworden, der niemandem traut. Er irrt verzweifelt durch den Süden Frankreichs und sucht Unterschlupf in einem kleinen Dorf, wird aber immer wieder abgewiesen. Schließlich findet Jean Valjean Zuflucht und Gastfreundschaft im Haus von Bischof Bienvenu, der mit seiner Schwester und seiner Magd ein einfaches Leben führt. Jean Valjean ist überrascht vom herzlichen Empfang des Bischofs und seine inneren Dämonen beginnen nach und nach zu schwinden. Doch die Rachegefühle und die Vorurteile der Dorfbewohner lassen ihn nicht los…
„Ich bin, wie man’s von mir erwartet“, sagt Valjean – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Er richtet sich in seinem Tun danach, was die anderen in ihm sehen. Hier geht es also auch um die Auswirkungen von Vorurteilen auf die Betroffenen und um ihre Identität. Und das ist eine absolut zeitlose Problematik: Jean Valjean steht für alle, die weder eine Familie noch eine Heimat haben und aufgrund der Umstände immer wieder von Neuem zur Flucht gezwungen werden. Grégory Gadebois spielt mit unfassbarer, selten gesehener Präsenz den massigen Jean Valjean als scheuen Kerl, vor dem alle Angst haben. Er hat zu viel gesehen und kann dennoch nicht den Blick abwenden, wenn Unrecht geschieht. Zum Bettler eignet er sich nicht, weil ihm niemand den demütig gefügigen Menschen abnimmt. Ergreifend und mit ganz kleinen Gesten spielt er die Zerrissenheit, die Unsicherheit und die Zweifel eines Mannes, der sich nach Frieden sehnt. Ihm ebenbürtig ist Bernard Campan als Bischof Bienvenu – beide Männer vereint dieselbe Chemie, aber unterschiedliche Vorgaben: Campan ist alles andere als ein Kreuze schlagender, die Bibel zitierender und säuselnder Pastor, so wie Gadebois trotz seines Äußeren kein bärtig, bäriges Riesenbaby ist. Campan spielt einen beinahe kühlen Pragmatiker, der aufgrund eigener Erfahrungen erkannt hat, dass man sich besser fühlt und weiterkommt, wenn man freundlich ist. Er glaubt an das Gute im Menschen, während Valjean den Glauben an die Menschheit verloren hat. Aber er könnte sich ja ebenfalls ändern …
| Mo. | Di. | Mi. | Do. | Fr. | Sa. | So. |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 18:00 | ||||||
| 20:00 | 20:00 | 20:00 |