Ich verstehe Ihren Unmut

10. Juni // Mi. // 18:00 // Kinosaal // Kino

Kilian Armando Friedrich. D 2026. 93 Min. Mit Sabine Thalau, Nada Kosturin, Werner Posselt, Sadibou Diabang, Nigyar Velagic.

Heike, Ende 50, schuftet für ein Gebäudereinigungsunternehmen. Mit ihrer Erfahrung hat sie es bis zur Objektleiterin gebracht: Sie überwacht die Kolonne bei der Arbeit und stellt sicher, dass das „Objekt“ – ein Einkaufszentrum, ein Bürogebäude oder ein Kindergarten – den Wünschen der Auftraggeber entsprechend gereinigt wird. Das Gewerbe ist hart, der Markt ist umkämpft. Das äußert sich vor allem darin, dass die Aufträge an Subunternehmer weitervergeben, die Gewinnmargen also immer niedriger werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind motivierte und gewissenhafte Mitarbeiter*innen eine wertvolle Ressource, und alle Firmen versuchen pausenlos, gute Kräfte an sich zu binden. Auch Heike steht gewaltig unter Druck – Zeitpläne einhalten, gute Mitarbeiter anwerben und behalten und immer wieder unzufriedene Auftraggeber besänftigen. „Ich verstehe Ihren Unmut“ ist die Formel, mit der sie am Telefon oder im persönlichen Termin die höchsten Wogen zu glätten versucht. Gerade in den Gesprächen mit den Kunden zeigt sich dann auch die allgemeine Geringschätzung, die die Gesellschaft dem Reinigungsgewerbe entgegenbringt. Alles hat perfekt zu sein, kosten darf es aber nichts!

Und so versucht auch Heike, sich nebenbei etwas dazuzuverdienen, indem sie statt der teueren Reinigungsmittel billigere kauft und so etwas Geld abzweigt. Natürlich fliegt das ebenso auf wie der Versuch, ihren völlig lebensuntüchtigen Mitbewohner in einer Phase schlimmster Personalengpässe mit zur Schicht zu nehmen und ihm eine Station anzuvertrauen…

Es überrascht nicht, zu erfahren, dass Kilian Armando Friedrichs vor seinem Spielfilmdebüt dokumentarisch gearbeitet, sich dabei oft mit den Arbeitsbedingungen in unterschiedlichen Bereichen beschäftigt hat. Sein erster Spielfilm „Ich verstehe ihren Unmut“ bedient sich nun eines dokumentarischen Duktus, was sich zum einen in der Besetzung zeigt. Nur wenige professionelle Schauspieler finden sich im Ensemble, die meisten Rollen sind mit Laien besetzt, die Variationen ihrer selbst spielen. Vor allem Hauptdarstellerin Sabine Thalau ist hier zu nennen, die tatsächlich in der Gebäudereinigung tätig ist, also um den Kampf weiß, den ihre Figur mit sich und einem System ausficht, in dem es nicht um vernünftige Arbeitsbedingungen geht, sondern um immer weitere Einsparmöglichkeiten und kleinste Gewinnmaximierung.

Ein beachtliches Debüt, und ein ehrlicher Blick in eine aktuelle Lebensrealität.

Am 8. Juni Gespräch mit Vertreteri*innen der IG BAU.

Mo.08.06.Di.09.06.Mi.10.06.Do.11.06.Fr.12.06.Sa.13.06.So.14.06.
18:0018:0018:00
€ 7 / € 6, € 65 / € 55, € 4, € 7,
Aufschlag ggf. bei Überlänge, Begleitung mit Livemusik und Sonderveranstaltungen