Ein einfacher Unfall

17. Januar // Sa. // 18:00 // Kinosaal // Kino

Jafar Panahi. IR/FR/LU 2025. 102 Min. dt. Fs. Mit Vahid Mobasseri, Mariam Afshari, Ebrahim Azizi.

Regelmäßig setzt Jafar Panahi das Kino als Waffe gegen die politischen und gesellschaftlichen Zustände im Iran ein. Seine Werke nehmen kein Blatt vor den Mund, prangern Korruption und Unterdrückung schonungslos an – und konnten in den letzten Jahren nur heimlich entstehen. 2010 wurde der Regisseur unter Hausarrest gestellt und durfte seiner Arbeit eigentlich nicht mehr nachgehen. Unbemerkt von den Behörden inszenierte Panahi allerdings Filme wie „Taxi Teheran“, der in Berlin den Goldenen Bären erhielt.

Nach einem Hungerstreik kam der systemkritische Leinwandkünstler im Februar 2023 auf Kaution aus dem berüchtigten Evin-Gefängnis frei, in dem er eine bereits 2010 verhängte sechsjährige Haftstrafe absitzen sollte. Die Erfahrungen aus seiner Zeit hinter Gittern nutzte Panahi für sein neues Projekt „Ein einfacher Unfall“, das von den Auswirkungen eines mit Folter verbundenen Knastaufenthalts erzählt. Die Prämisse erinnert an das Theaterstück von Ariel Dorfmans Theaterstück „Der Tod und das Mädchen“, von Roman Polanski für das Kino adaptiert wurde. Ebenso wie dort löst ein Zwischenfall mit einem Auto eine verhängnisvolle Kettenreaktion aus: Eghbal, seine Ehefrau und seine Tochter suchen Hilfe in einer Werkstatt, weil ihr Wagen bei einer Kollision mit einem Hund beschädigt wurde. Vahid, einer der Mechaniker, glaubt seinen Ohren nicht zu trauen, als er das nur zu bekannte Geräusch eines quietschenden künstlichen Beins vernimmt. Umgehend werden Erinnerungen an seine Zeit im Gefängnis wach, wo er von einem Mann mit einer solchen Prothese gefoltert wurde, während ihm die Augen verbunden waren. Ohne lange zu überlegen, folgt Vahid seinem mutmaßlichen Peiniger und zerrt ihn am nächsten Tag in einen Lieferwagen. In der Wüste will er den Entführten schließlich lebendig begraben. Doch dessen Beteuerung, er sei der Falsche, lässt den Mechaniker innehalten. Hat er vielleicht wirklich einen Unschuldigen gekidnappt?

Panahi schickt seine Figuren auf eine Reise, die immer absurdere Ausmaße annimmt. Permanent machen sich die Involvierten gegenseitige Vorwürfe. Und ausgerechnet der nicht gerade betuchte Vahid muss wiederholt seine Bankkarte zücken, um Probleme aus der Welt zu schaffen – der Wunsch nach Rache kann ganz schön teuer sein, im wahrsten Sinne des Wortes! Das alles ist mit Verve gespielt, mit leichter Hand inszeniert und keine Sekunde langweilig. – In Cannes gab es dafür die Goldene Palme 2025!

Mo.12.01.Di.13.01.Mi.14.01.Do.15.01.Fr.16.01.Sa.17.01.So.18.01.
18:0018:0018:0018:00
€ 7 / € 6, € 65 / € 55, € 4, € 7,
Aufschlag ggf. bei Überlänge, Begleitung mit Livemusik und Sonderveranstaltungen