Die Stadt ohne Juden

14. November // So. // 20:00 // Kinosaal // Kino

Hans Karl Breslauer. A 1924. 80 Min. Mit Johannes Riemann, Eugen Neufeld, Hans Moser

STUMMFILM MIT EINGESPIELTER MUSIK

1922 erschien Hugo Bettauers Roman, der die damals noch utopische Vorstellung einer Vertreibung der Juden aus Wien beschrieb. Nur zwei Jahre später kam die Verfilmung in die Kinos. – Obwohl der Film erkennbar in Wien gedreht und auch sonst im zeitgenössischen Hier und Jetzt angesiedelt ist, heißt die Republik in der filmischen Welt Utopia. Dort herrscht allgemeiner Unmut, ja geradezu ein Volksaufstand: Die Menschen leiden unter der Wirtschaftskrise, die Angst vor der Zukunft ist groß. Schnell entsteht eine allgemeine Stimmung gegen die Juden – angeschürt von der Agitation des einflussreichen Antisemiten Bernart findet sich auch eine politische Mehrheit im Parlament. Und so ruft der Bundeskanzler die „Stadt ohne Juden“ aus. Und schon beginnt die massenhafte Ausweisung der jüdischen Bevölkerung. Dann aber zeigt sich, dass die Gesellschaft ohne die Juden im Eiltempo verkümmert…

Dramaturgisch und filmkünstlerisch hält der Film kaum dem Vergleich mit zeitgenössischen Werken etwa eines Fritz Lang (der in diesem Jahr Die Nibelungen dreht) oder Murnau (Die Finanzen des Großherzogs) stand; als Zeitdokument ist er von unschätzbarem Wert. Denn er führt vor, dass die Gedanken an eine Deportation von Menschen und an ein Gemeinswesen, das sich seiner jüdischen Teile einfach so entledigt, offenbar schnell gefasst werden können. Ganz ohne sich zu empören, sieht eine ganze Gesellschaft dabei zu.

Noch bis 1933 ist der Film aufgeführt worden, geriet dann aber schnell in Vergessenheit. Von den deutschen Zensurbehörden bekam er 1926 ein Jugendverbot, ein Verbot im NS-Deutschland erfuhr er allerdings nicht. Er verschwand einfach, galt 60 Jahre als verschollen. 1991 wurde eine lückenhafte Kopie entdeckt, 2015 dann schließlich eine fast vollständige Fassung. So erlebte der Film 2018 seine feierliche Zweitpremiere in Wien und war anschließend auf vielen Festivals rund um den Globus zu sehen.

Anlässlich des Jubiläums 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland zeigen wir gemeinsam mit dem Kulturforum Schleswig-Holstein dieses einzigartige Zeitdokument.

Mo08.11.Di09.11.Mi10.11.Do11.11.Fr12.11.Sa13.11.So14.11.
20:00
€ 7 / € 6, € 65 / € 55, € 4, € 7,
Aufschlag ggf. bei Überlänge, Begleitung mit Livemusik und Sonderveranstaltungen
Der Inhalt wird geblockt.
Bitte erlaube Cookies und akzeptiere unsere Datenschutzbestimmungen, indem du auf Akzeptieren oder diesen Banner klickst.